Zu einem informellen Austausch trafen Vertreter der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Mitte Januar mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Georg Nüßlein zusammen. Dr. Nüßlein ist als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion in vielen Feldern der Bundespolitik bewandert und stellte im Gespräch immer wieder seine Sicht der Dinge dar. Der Austausch war für alle Beteiligten interessant.

Nüßlein beschrieb die Notwendigkeit, im Bereich der Arbeitszeitgestaltung zu mehr Flexibilität zu gelangen, weil die aktuellen Regelungen für manche Branchen oder Lebenskonstellationen nicht mehr passend seien. Hier erhofft er sich eine vorsichtige Öffnung, sieht aber gleichwohl die besondere Bedeutung der Einhaltung von festgeschriebenen Ruhezeiten. Die Bedenken aus den Reihen des Verbands, dass mit überlangen Arbeitszeiten gesundheitliche Gefährdungen oder Unfallgefahren einher gingen, teilte er vollumfänglich. Gleichwohl betonte er den Bedarf nach einer Öffnung der bestehenden Regelungen.

Gleichzeitig beklagte er den Verlust der Gemeinwohlbezogenheit. Wenn es hier nicht zu wirklichen Änderungen komme, habe das schwerwiegende Folgen für unsere Gesellschaft sowie für die Demokratie. Er betonte, alle hätten eine Verpflichtung dem Gemeinwohl gegenüber, das sich gleichwohl in manchen Fällen nicht mit der Forderung nach Solidarität vertrage. Diese Erkenntnis müsse sich in unserer Gesellschaft wieder  verbreiten.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Situation beklagte er den Missstand, dass sich die Lebenshaltungskosten – oder das, was die Menschen zu brauchen glauben – vollkommen von den durchschnittlichen Einkommen abgekoppelt hätten. In diesem Zusammenhang beklagte er die Lohnzurückhaltung im ersten Jahrzehnt dieses Jahrhunderts einerseits und die Teuerung andererseits. Er halte es für besonders wichtig, dass das Lohnniveau wieder deutlich erhöht werde, womit er bei seinen Gästen auf breite Zustimmung traf.